Laufschuhe für schwere Läufer / Übergewicht

Körpergewicht 

Laufschuhe für schwere Läufer / Übergewicht

Für schwere und übergewichtige Läufer empfehlen sich Dämpfungs- oder Bewegungskontrollschuhe. Besondere Anforderungen bestehen an die Stabilität und Zwischensohle.

Wer gilt als „schwerer Läufer“?

Bevor man sich mit dem Thema Laufschuhkauf beschäftigt, welche Anforderungen diese haben sollten und aus welchen Kategorien diese auszuwählen sind, sollte man prüfen, ob man als „schwerer Läufer“ oder als „übergewichtig“ gilt. Denn daraus leiten sich besondere Empfehlungen für den richtigen Laufschuh und den Erhalt der Gesundheit ab.  

Generell gilt als „schwer“, wenn eine Läuferin mehr als 70 Kilogramm, bzw. ein Läufer mehr als 95 Kilogramm wiegt. Diese Angaben sind alleinstehend allerdings eher pauschal zu sehen, da das Gewicht nur in Kombination mit der Körpergröße genauer bewertet werden kann. Der oben genannten 70/95 Kilogramm-Regelung für „schwere Läufer“ liegt zugrunde, dass die Durchschnittsgröße der Frau in Deutschland bei 1,70 Meter, bzw. des Mannes bei 1,85 Meter liegt. Kleinere und größere Läuferinnen und Läufer müssten demnach ihr Körpergewicht rechnerisch entsprechend anpassen. Einfacher ist die Beurteilung des Gewichts anhand der BMI-Formel (Body-Mass-Index).

BMI

Übergewichtige Läufer

Der Body-Mass-Index gilt in der Beurteilung des Körpergewichts zwar als präziser, ist aber immer noch nicht als ideales Messinstrument zu betrachten. Vorgegebene Normwerte sollen anhand des Körpergewichts und der Körpergröße helfen, herauszufinden, ob man in die Kategorie Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) einzuordnen ist. Aus der untenstehenden Tabelle kann man entnehmen, in welche Kategorie man tendenziell fällt.

Body Mass Index 

Der Body-Mass-Index kann ungefähr aus folgenden Tabellen abgelesen werden:

(Einteilung nach WHO)
KategorieBMI (kg/m²)Körpergewicht
starkes Untergewicht≤ 16,0  
mäßiges Untergewicht16,0–17,0Untergewicht 
leichtes Untergewicht17,0–18,5  
Normalgewicht18,5–25,0Normalgewicht 
Übergewicht25,0–30,0 Übergewicht 
Adipositas Grad I30,0–35,0  
Adipositas Grad II35,0–40,0  Adipositas
Adipositas Grad III ≥ 40,0 
   

 Quelle: WHO (2008)

Während die „World Health Organization“ (WHO) den BMI rein nach dem Gewicht einordnet, bezieht die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.“ (DGE) das Geschlecht mit ein, da Männer in der Regel einen größeren Muskelanteil haben als Frauen. Aus diesem Grund ist die DGE-Tabelle als ausführlicher zu betrachten.

(Einteilung nach DGE)
Kategoriemännlichweiblich
Untergewicht≤ 20,0 ≤ 19,0 
Normalgewicht20 – 24,919 – 23,9
Übergewicht25,0–29,924,0–29,9
Adipositas Grad I30,0–35,930,0–34,9
Adipositas Grad II35,0–39,935,0–39,9 
Adipositas Grad III ≥ 40,0 ≥ 40,0
   

Quelle: DGE, Ernährungsbericht (1992)

Läuferinnen und Läufer mit einem BMI über 25 gelten laut beider Normwerttabellen als „übergewichtiger Läufer“. Strittig ist allerdings die Aussagekraft des BMI bei Menschen mit höherem Muskelanteil, wie es bei gut austrainierten Kraftsportlern, die regelmäßig Laufen, der Fall ist. Bei diesen ergibt sich wegen der höheren Muskelmasse und wegen des geringeren Körperfettanteils ein höherer BMI, welcher fälschlicherweise als Übergewicht interpretiert werden könnte. Ebenso kritisch ist die Interpretation des BMIs mit zunehmendem Alter zu sehen, da der Altersfaktor bei dieser Normberechnung nicht berücksichtigt wird. Dieser wurde erst vom „National Research Council“ (NRC) aufgegriffen und in folgender Tabelle zusammengefasst. Ist man im Zweifel über seine Gewichtseinteilung, sollte man sich von einem Experten beim Laufschuhkauf dazu beraten lassen.

(Einteilung nach NRC)
Alteridealer BMI
19-2419-24
25-3420-25
35-4421-26
45-5422-27
55-6423-28
älter als 6524-29
  

Quelle: NRC, Diet and Health. Implications for Reducing Chronic Disease Risk (1989)

Spezielle Anforderungen an die Laufschuhe

Auch wenn in erster Linie das Abrollverhalten darüber entscheidet wieviel Stabilität ein Schuh bieten muss, werden für schwere oder übergewichtige Läufer grundsätzlich feste und stabile Schuhe empfohlen. Der Schuh muss beim Laufen immerhin das 2-3 fache des Körpergewichts tragen. Ein Joggingschuh mit einer weichen Zwischensohle wäre bei großem Körpergewicht ungeeignet, weil sich das Material der Sohlen zu stark komprimieren und verformen würde. Das kann für den Läufer gravierende Schäden am Bewegungsapparat erleiden. Ausserdem wird der Laufschuh wesentlich früher verschleißen und seine stabilisierende und dämpfende Funktion nicht mehr ausreichend ausführen können.

Gelenkbelastung UebergewichtFür Anfänger und untrainierte Läufer können bei noch ungenügend ausgeprägter Muskulatur Aufprallkräfte, die auf Gelenke (Fuß-, Knie- und Hüftgelenk) und Wirbelsäule einwirken, nicht ausreichend resorbiert werden. Schwere Läufer sollten in dieser Hinsicht ebenfalls vorsichtig sein und übergewichtige Läufer sollten in besonderem Maße auf stabile Schuhkonstruktionen zurückgreifen. Nur diese können auf Dauer und in Kombination mit einem angepassten Trainingsplan, ein beschwerdefreies Laufen ermöglichen. Beim Laufschuhkauf sollte deshalb darauf geachtet werden, dass die Dämpfung entsprechend stark, die Zwischensohle fester geschäumt und das Obermaterial robust genug ist. Gerade das Obermaterial muss beim Laufen seine stützenden Eigenschaften behalten und den Fuß am Rutschen im Schuh hindern. Aber auch auf eine feste Fersenschale und auf eine abriebfeste Außensohle sollte besonderen Wert gelegt werden.

Typische Laufschuhkategorien für schwere und übergewichtige Läufer sind: Bewegungskontrollschuhe, Dämpfungsschuhe und Stabilschuhe. Um all den oben gestellten Anforderungen eines Laufschuhs gerecht zu werden ist eine Fachberatung sehr empfehlenswert. Gerade übergewichtige Läufer, aber auch Anfänger sollten sich vor dem Kauf Tipps zum Laufschuhkauf einholen, um Überlastungen und Verletzungen an Bändern, Sehnen und Gelenken zu verhindern.

Schwere Läufer und Überpronation

UeberpronationViele schwere und übergewichtige Läufer neigen Aufgrund ihres Körpergewichts zur Überpronation. Das heißt, der Fuß knickt beim Laufen im Sprunggelenk übermäßig stark nach innen ein. Hier kann eine schwache Fußmuskulatur die Belastungen auf Dauer nicht halten und sollte durch eine Pronationsstütze entsprechend gestützt werden. Andernfalls hat dies in der Regel schmerzhafte Verletzungen am Knie, an der Achillessehen sowie im Sprunggelenk zur Folge. Treten solche Probleme auf, kann man damit rechnen, dass zur Ausheilung eine längere Trainingspause eingelegt werden muss. Doch nicht jeder schwere oder übergewichtige Läufer ist gleichzeitig auch ein Überpronierer. Eine normale Pronation oder sogar Supination ist nicht auszuschließen. Auch hier gilt es, sich beim Laufschuhkauf ausgiebig beraten zu lassen oder auch eine Bewegungsanalyse vorzunehmen.

Beliebte Modelle für Schwergewichte

Geeignete Schuhe mit starker Dämpfung, fester Zwischensohle und einer Pronationsstütze kommen aus der Kategorie Stabilschuhe und Bewegungskontrollschuhe. Diese sind mit einem geraden Leisten versehen und stabil genug, um die auftretenden Kräfte beim Laufen aufzufangen. Zusätzlich gewährleisten sie ausreichend Fußführung. Schwere Läufer mit einem normalen Abrollverhalten (keine Überpronation) können auch auf Dämpfungsschuhe und bei großem Trainingsgrad ggf. auch auf Neutralschuhe zurückgreifen.

Da besonders und in höherem Maße bei untrainierten und übergewichtigen Läufern die Aufgabe des Laufschuhs darin liegt, einen Großteil der Stoßbelastungen zu resorbieren, wird gerade von ihnen Qualität gefordert. Das empfiehlt, aus unserer Sicht, den Kauf guter Marken von Laufschuhen. Beliebte Anbieter und Modelle von Laufschuhen, besonders in Sachen Dämpfung, Stabilität und Qualität sind:

  1. Asics (Gel-GT 2170, Gel-Kayano)
  2. Brooks (Adrenaline GTS; Ravenna)
  3. Saucony (ProGrid Omni; Stabil CS)
  4. Mizuno (Wave Inspire; Wave Rider)

Laufschuhe für schwergewichte/Übergewicht

Für schwere und übergewichtige Läufer ist es zudem besonders wichtig, die Laufschuhe rechtzeitig gegen neue zu ersetzen, da der Verschleiß der Schuhe, besonders der Dämpfungselemente schneller geschieht, als bei normalgewichtigen Läufern.

Tipp: Gerade diese Läufergruppe sollte das Laufen ruhig angehen lassen und mit kleinen Trainingseinheiten beginnen. Hier ist ein Verletzungsrisiko durch Überbelastung besonders gegeben.

Anpassung des Laufschuhs bei Gewichtsveränderung

Sollte man laut der oben genannten Berechnung (BMI etc.) nicht mehr in die Kategorie eines „schweren oder übergewichtigen Läufers“ fallen, ist es sinnvoll sich zügig um den Kauf neuer, dem Gewicht und dem Trainingszustand angepasster, Laufschuhe zu kümmern, da weniger Dämpfung benötigt wird. In diesem Zusammenhang sollte man sich gleich überlegen ein zweites Paar Laufschuhe aus einer anderen Kategorie zu kaufen, um die positiven Effekte für die Muskulatur, die durch die abwechselnd getragenen Laufschuhe entstehen, zu nutzen.




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